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Allgemein Klimaneutralität

Was kostet eine Tonne CO2?

Was kostet eigentlich eine Tonne CO2? Je nach Quelle unterscheiden sich die angegebenen Werte erheblich. Werfen wir also mal einen Blick auf die aufgerufenen Preise. Sie reichen von unter 10 Euro bis zu mehreren Hundert Euro pro Tonne.

Einige große Emittenten haben bereits einen konkreten Preis, den sie für eine Tonne CO2 bezahlen müssen: Sie sind vom Europäischen Emissionshandel (EU ETS) erfasst und müssen sich Verschmutzungsrechte (Zertifikate) kaufen, um CO2 ausstoßen zu dürfen. Diese werden an Börsen gehandelt und haben entsprechend einen Preis. Aktuell liegt dieser bei rund 23 Euro:

https://www.finanzen.net/rohstoffe/co2-emissionsrechte

Ist das also der Preis, der gilt? So einfach ist das nicht. Der Preis im Emissionshandel ist politisch beeinflusst, da der Gesetzgeber die Menge der verfügbaren Zertifikate auf dem Markt steuern kann. So hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass die Menge zu groß war und der Preis damit auf sehr niedrige Werte abgesunken ist.

Das Umweltbundesamt ruft einen Preis von mindestens 180 Euro pro Tonne auf. Bei diesem Preis handelt es sich jedoch um die „gesellschaftlichen Kosten von Umweltbelastungen„.

Stellt man diesen Preis in den Raum, wird man in der Regel sogleich heftigsten Gegenwind ernten. Es wird einem vorgeworfen, unseren Wohlstand auf’s Spiel zu setzen, eine „Ökodiktatur“ einführen zu wollen oder linksgrünen Spinnereien zum Opfer gefallen zu sein.

Tatsächlich zahlen wir diesen Preis allerdings auch jetzt schon. Es handelt sich nämlich um die Kosten, die durch’s Nichtstun entstehen. Sie stehen nur auf keiner Rechnung. Sie verstecken sich in Ernteausfällen, gesundheitlichen Schäden, Hochwasserschutzmaßnahmen und vielem mehr.

Wir sollten also etwas tun um den Preis nach unten zu drücken. Im Prinzip ist alles besser als nichts zu tun.

Aber wieviel soll es denn nun sein?

CO2-Vermeidungskosten

Je nachdem, was wir tun, kommt es uns unterschiedlich teuer zu stehen, eine Tonne CO2 zu vermeiden. Hier gibt es Untersuchungen von McKinsey&Company im Auftrag von „BDI Initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz“ mit interessanten Schaubildern.

Ein Beispiel aus dem Gebäudesektor: Der Austausch von elektrischen Geräten durch effiziente Neugeräte bringt in der Regel sogar negative Vermeidungskosten. Alleine technische Fortschritte sorgen hier oft schon für deutliche Effizienzsteigerungen (Achtung: Rebound-Effekt). Dagegen ist zum Beispiel die Sanierung eines Altbaus auf Passivhaus-Standard mit sehr hohen Vermeidungskosten verbunden.

Kompensation von CO2

Die Idee der Kompensation greift an den Vermeidungskosten an. Emissionen sollten dort vermieden werden, wo es wirtschaftlich sinnvoll und kostengünstig möglich ist.

Davon abgesehen lassen sich natürlich nicht alle Emissionen gänzlich vermeiden. Es sein denn, wir verabschieden uns von unserem Lebensstil und stellen unser Wirtschaftssystem ein.

Dabei gibt es „Einsparprojekte“, bei denen effizienzsteigernde Maßnahmen durchgeführt werden, oder Projekte, die tatsächlich als Senke arbeiten und CO2 binden (z. B. Aufforstung). Hier gibt es eine Menge zu beachten, aber dazu mehr in einem späteren Beitrag speziell zur Kompensation von Treibhausgasen.

Je nachdem, was für Projekte umgesetzt werden, kann man sich vorstellen, dass diese auch sehr unterschiedliche Kosten haben. Typische Projekte bewegen sich in einem Rahmen zwischen 10 und 30 Euro je Tonne CO2. Viele im Bereich um die 20 Euro, also dem Preis, den wir bereits vom Europäischen Zertifikatehandel kennen.

Theoretisch könnten wir so ohne unser eigenes Handeln zu ändern, völlig klimaneutral agieren. Ob das sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. In einem vorherigen Beitrag habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob CO2-Kompensation Ablasshandel ist.

Der „Durchschnitts-Deutsche“ emittiert etwa 10 Tonnen CO2 pro Jahr. Das heißt, für 200 Euro pro Kopf würden wir für das Ziel „Klimaneutralität“ schon viel erreichen.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153528/umfrage/co2-ausstoss-je-einwohner-in-deutschland-seit-1990/

Die CO2-Steuer als Lenkungsinstrument

Das sollte beachtet werden: Die vorher genannten Preise für eine Tonne CO2 beziehen sich darauf, dass das Geld auch tatsächlich für Kompensationsprojekte oder Einsparmaßnahmen verwendet wird. Eine CO2-Steuer tut das nicht. Im Gegenteil: Hier steht eine Umverteilung zur Diskussion um Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln von den Kosten zu entlasten. Sie soll also eine Lenkungswirkung entfalten und so indirekt zu Einsparungen führen oder die Konkurrenzfähigkeit von Erneuerbaren Energien fördern. Hier ist ein Preis von rund 25 € mutmaßlich viel zu niedrig. Aber auch das ist sektorabhängig. Während ein ein Preis von 25 € je Tonne CO2 das Benzin, bzw. den Diesel nur marginal verteuert und so kaum zu geringeren Fahrleistungen führen dürfte, ist der gleiche Preis für energieintensive Unternehmen möglicherweise existenzbedrohend. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob eine CO2-Berpeisung sektorspezifisch eingeführt werden sollte.

Festpreis oder Emissionshandel?

Besteht Einigkeit darüber, dass CO2 einen Preis benötigt, beginnt der Streit darüber, ob es ein fester Preis oder eine Mengensteuerung sein soll.

Preissteuerung

  • Der Preis pro Tonne CO2 ist bekannt. Investitionsentscheidungen können sich danach ausrichten
  • Problem: Es ist unklar, ob die Klimaschutzziele erreicht werden. Gegebenenfalls muss nachgesteuert werden. Damit ist der vorher genannte Vorteil der Sicherheit dahin.
  • Beispiele für Preissteuerung sind u. a. die Ökosteuer oder die KFZ-Steuer

Mengensteuerung

  • Hier ist die Zielerreichung gesichert. Es gibt einen klaren Reduktionspfad.
  • Problem: Die Preise sind unbekannter und volatiler. Es besteht Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen. Außerdem ist die Umsetzung mit einem höheren Aufwand verbunden (Einrichtung von Handelsplätzen)
  • Beispiele für Mengensteuerungen sind der Europäische Emissionshandel, CO2-Vorgaben bei Kraftfahrzeugen oder Energievorgaben bei neuen Gebäuden (EnEV)

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